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Treffen der deutschsprachigen nationalen Ethikräte am 11.3.2014 in Berlin. © Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen
Treffen der deutschsprachigen nationalen Ethikräte am 11.3.2014 in Berlin. © Deutscher Ethikrat, Fotograf: Reiner Zensen

Bioethik auf gesellschaftlicher Ebene betrifft die Frage, welche leitenden Prinzipien oder verbindlichen Rahmenbedingungen wir im Zusammenleben und -wirken pluraler Partikularinteressen in der Biomedizin benötigen.

Öffentlicher Vernunftgebrauch

Unsere pluralistische Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass Individuen und Gemeinschaften unterschiedliche, teils widerstreitende, gleichwohl vernünftigte Auffassungen darüber haben, worin ein gutes, gelungenes Leben besteht bzw. was im Leben erstrebenswert oder zu vermeiden ist. Dennoch müssen gemeinsame Rahmenbedingungen des kooperativen Zusammenlebens und -wirkens definiert werden.

 

In einer deliberativen Demokratie folgt die Aufgabe, gemeinsame soziale (rechtliche) Regeln zu finden, dem Ideal des öffentlichen Vernunftgebrauchs. John Rawls versteht darunter:

"Unsere politischen Urteile gegenüber anderen rechtfertigen heißt: diese anderen durch öffentlichen Vernunftgebrauch überzeugen, d.h. durch Formen des Denkens und Schließens, die politischen Grundfragen angemessen sind, sowie durch Berufung auf Überzeugungen, Gründe und politische Werte, deren Anerkennung seitens der anderen ebenfalls vernünftig ist. Öffentliche Rechtfertigung geht von einem Konsens aus: von Prämissen, bei denen man vernünftigerweise erwarten kann, dass sie von allen am Meinungsstreit beteiligten, laut Voraussetzung freien, gleichen und ganz denkfähigen Parteien angenommen und aus freien Stücken gebilligt werden."

(Rawls, Gerechtigkeit als Fairness, 2003: S. 56 f.)

Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt

Konstituierende Sitzung der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt am 25.3.2014 (Foto: BKA)
Konstituierende Sitzung der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt am 25.3.2014 (Foto: BKA)

In Österreich erfolgt die offizielle Politikberatung in bioethischen Fragen auf nationaler Ebene durch die Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt. "Aufgabe der Bioethikkommission ist die Beratung des Bundeskanzlers in allen gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen und rechtlichen Fragen aus ethischer Sicht, die sich im Zusammenhang mit der Entwicklung der Wissenschaften auf dem Gebiet der Humanmedizin und -biologie ergeben." (Verordnungstext)

Seit März 2014 ist J. Wallner Mitglied der Bioethikkommission. Weiterführende Informationen zu den anderen Mitgliedern, Arbeitsergebnissen und Veranstaltungen der Bioethikkommission finden Sie auf deren Website.